Das Problem: Unsichtbare Netzwerke
Kulturpolitische Ökosysteme sind komplex. Kulturschaffende, Institutionen, Fördergeber, Verwaltungen, Bildungseinrichtungen und zivilgesellschaftliche Akteure bilden ein dichtes Geflecht von Beziehungen. Doch dieses Netzwerk ist oft unsichtbar — selbst für diejenigen, die darin arbeiten.
Was ist ein Wissensgraph?
Ein Wissensgraph ist eine digitale Datenstruktur, die Entitäten (Personen, Organisationen, Orte, Projekte) und ihre Beziehungen zueinander abbildet. Im Kontext der Kulturpolitik kann ein solcher Graph zeigen:
- Welche Akteure in einem lokalen Musik-Ökosystem vernetzt sind
- Wo Fördermittel zwischen Institutionen fließen
- Welche Lücken im Netzwerk existieren
- Wie sich Kooperationen über die Zeit entwickeln
Praxisbeispiel: Musik-Ökosystem
Für die Musikstrategie einer deutschen Stadt habe ich einen digitalen Wissensgraphen aufgebaut, der über 500 Akteure, ihre Rollen und Beziehungen abbildet. Die Ergebnisse haben die strategische Diskussion grundlegend verändert:
- Sichtbarkeit: Akteure, die bisher im Verborgenen wirkten, wurden sichtbar
- Lücken: Fehlende Verbindungen zwischen Szenen und Institutionen wurden identifiziert
- Strategie: Die Stadt konnte gezielt dort investieren, wo Netzwerkeffekte am größten sind
Technische Umsetzung
Der Aufbau erfolgt in drei Schritten:
- Datenerhebung: Interviews, Umfragen, öffentliche Datenquellen
- Modellierung: Aufbau der Graphstruktur mit Entitäten und Relationen
- Visualisierung: Interaktive Netzwerkdarstellung für verschiedene Zielgruppen
Ausblick
Wissensgraphen sind nicht nur ein Analysetool — sie können zur permanenten Infrastruktur für kulturpolitische Planung werden. Die Herausforderung liegt darin, sie aktuell zu halten und für Entscheider*innen zugänglich zu machen.